Hilfe, mein Geldbeutel ist verschwunden!

Weg. Plötzlich ist er nicht mehr da. Dieses Gefühl, wenn dir plötzlich jemand sagt, dass die Vordertasche deines Rucksackes offen ist, du nachsiehst und sofort merkst, dass dein Portemonnaie weg ist, werd ich so schnell nicht vergessen. Schock. Und dann sofort die panischen Gedanken „Wo hab ich ihn verloren? Hat ihn jemand gefunden? Oder gar gestohlen? Ist mein Bankkonto vielleicht sogar schon leergeräumt?“
Nach meinem ersten Schock hatte ich mich dann aber doch schnell wieder gefasst und schritt sofort in die für mich einzig nächste logische Phase über: Das Suchen des verschwundenen Gegenstandes. Unverzüglich rief ich das Restaurant an, in dem ich noch eine halbe Stunde zuvor mit meinen Kommilitonen gesessen hatte und bat darum, doch bitte mal an dem Tisch nachzusehen, an dem wir gesessen hatten. Und natürlich machte ich mich auch selbst auf den Rückweg, lief exakt die gleiche Strecke, die ich zuvor gelaufen war, sah in jeden Mülleimer (vielleicht hatte der Finder/Dieb meine Geldbörse weggeworfen?) und sah in jede Ecke. Nachdem klar war, dass im Lokal bereits neue Gäste saßen und die nichts gesehen hatten, und auch dem Kellner nichts aufgefallen war, musste ich mir wohl eingestehen, dass ich mein Portemonnaie wohl so schnell nicht wiedersehen würde. Also tat ich das einzig Richtige in diesem – schweren – Moment: Ich wählte die 116 116 (gut, dass mein Handy noch da war!) und sperrte meine Bankkarte.

Seit dem Bezahlen im Restaurant (da habe ich meinen Geldbeutel zum letzten Mal bewusst gesehen) und dem Moment, in dem ich auf meinen offenen Rucksack aufmerksam gemacht worden war, waren etwa 45 Minuten vergangen. Innerlich hoffte ich, dass das nicht genug  Zeit für den Finder/Dieb war, von meinem Konto Geld zu transferieren. (Genug Zeit wäre es für einen Profi wohl gewesen, aber wie ich später feststellte, wurde nichts vom Konto geholt – Glück im Unglück).
Ohnehin wird der Finder/Dieb mit meiner Geldbörse nicht viel Freude gehabt haben, da sich zum Zeitpunkt des Verlusts/Diebstahls nur etwa vier Euro in meinem Portemonnaie befanden 😀 Immerhin ein kleiner Trost…
Doch geht es mir bei all dem nicht einmal um das verlorene Geld oder das lästige Wiederbeantragen all meiner wichtigen Karten (mir graust es allein schon beim Gedanken meiner vier verschiedenen Ausweise für mich als Studentin an der Hochschule Darmstadt…). Ganz zu schweigen von der kostspieligen Wiederbeschaffung meines Führerscheins, meiner Bankkarte, meines Personalausweises, Krankenkassenkarte etc. Nein – viel schlimmer ist für mich, dass ich in meinem Geldbeutel einige Sachen aufbewahrt hatte, die mir wichtig sind. Meine „Bank of America“-Karte mit dem Hawaii-Hintergrund zum Beispiel. Oder meine Führerscheine von New Jersey und California, die für mich immer wichtige Erinnerungsstücke an meine Zeit dort sein werden. Oder mein 2 Dollar-Schein, auf dessen Rückseite sich die Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung befindet. Diese 2 Dollar-Scheine sind nicht im regulären Umlauf in Amerika und ziemlich selten…Auch meine vielen Starbucks-Karten sind weg. Und Eintrittskarten für den Hoover Tower in Stanford, ein Ticket von der Tram in Las Vegas und und und. Ich könnte die Aufzählung endlos fortführen.
Tja…von wegen man soll alles, was einem wichtig ist, bei sich tragen. Natürlich sind das alles nur „materielle“ Werte und meine Erinnerungen an meine Zeit in Amerika sind in meinem Herzen. Dennoch tut es weh…
Mal ganz abgesehen von dem echt gruseligen Gedanken, dass es da draußen jemanden gibt – jemand für mich Fremdes (!) – der so ziemlich alles über mich weiß. Ich geh mal davon aus, dass jemand meine Geldbörse gefunden haben muss (oder eben der Dieb, je nachdem), da der Verlust an einem öffentlichen Ort passiert ist, mitten in der Innenstadt. Wer auch immer meinen Geldbeutel hat/hatte, der kennt meinen Namen, meine Adresse, weiß, wo ich versichert bin, bei welchem Kreditinstitut ich bin, kennt mein Geburtsdatum, weiß, wo ich die letzten drei Jahre gelebt habe und bekommt durch den Inhalt meines Portemonnaies einen ziemlich guten Eindruck von der Person, der sie gehört.
Ganz schön gruselig…

Vielleicht hat der Finder/Dieb meinen Namen sogar schon bei Google eingegeben und ist auf diesen Blog hier gestoßen…? Lieber Finder/Dieb, falls du das hier liest: bitte bitte gib mir meinen Geldbeutel zurück. Von mir aus kannst du ihn mir auch einfach in meinen Briefkasten werfen. 😉 Ich wäre dir dafür unendlich dankbar. Und vermutlich gibt es dann zwei Menschen auf dieser Welt, denen es dadurch besser geht: Mir, weil ich keine teuren Behördengänge erledigen muss und meine Erinnerungsstücke zurückbekomme – und dir, weil du dein Gewissen erleichtern kannst bzw. dich darüber freuen kannst, einen anderen Menschen glücklich gemacht zu haben. 🙂