Woran man merkt, dass es Herbst wird

Foto: Sonja Nowack

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1. Die frisch gewaschenen Haare trocknen nicht mehr auf dem 15 Minuten-Weg von zu Hause zur Arbeit.

2. Plötzlich hat man wieder Lust auf Kochen und gemütliche DVD-Abende.

3. Im Supermarkt stehen wieder Zimtsterne, Lebkuchen und co.

4. Man hat keine Lust mehr auf Schwimmbad – der Besuch in einer Therme erscheint viel reizvoller.

5. Das Handtuch, das man morgens zum Duschen benutzt hat, ist abends immer noch feucht.

6. Kuchen backen macht wieder Spaß (das anschließende Verzehren natürlich auch ;))

7. Man freut sich schon auf Halloween, die Kürbisse und allem, was dazu gehört.

8. Kinder lassen wieder Drachen steigen.

9. Das Zimmer ist so kalt, dass man selbst im Pulli und langer Hose noch immer friert.

10. Dass man ein paar Kilogramm zu viel auf den Rippen hat, ist (fast) egal – fällt unter den dicken Pullis eh kaum auf. 😉

List to be continued…

Eigentor für die taz

Foto: Sonja Nowack

So erschien gestern die taz: Viele Fragen, leere Stellen bei den Antworten von FDP-Chef Philipp Rösler.
Foto: Sonja Nowack

Tja, eigentlich wollte die taz auf das Problem mit den Autorisierungen aufmerksam machen, doch der Schuss ging nach hinten los. Die linksliberale Tageszeitung hat in ihrer Ausgabe gestern ausschließlich die Fragen des Interviews mit FDP-Chef Philipp Rösler abgedruckt, ohne die Antworten des Ministers. Grund: die Pressestelle der FDP hatte das gesamte Interview zurückgezogen. Dabei hatte Philipp Rösler in dem 50 Minuten langen Interview auf alle Fragen geantwortet, wie es im taz-Hausblog heißt. Der FDP-Sprecher begründete seinen Einspruch laut taz-Blog damit, dass Rösler sein asiatisches Äußeres im Wahlkampf nicht thematisieren wolle.
In einer Stellungnahme von Chefredakteurin Ines Pohl heißt es, neben gängigen Wahlkampfthemen wie der Steuerpolitik der Liberalen und dem Streit der Koalition zielten die Fragen auch darauf, “wie Rösler im Wahlkampf mit rassistischen Vorurteilen umgeht – etwa mit Hassmails“. Ines Pohl verteidigt das Vorgehen der taz: „Wir haben nach rassistischen Ressentiments gefragt, die auch innerhalb der FDP existieren. Das ist journalistisches Handwerk.” Es hagelte Kritik.
Dass Interviews mit Personen des öffentlichen Lebens autorisiert werden, ist zwar nicht gesetzlich vorgeschrieben, in Deutschland aber journalistische Praxis, um Fehler beim Verschriftlichen gesprochener Sprache zu vermeiden. Der zunehmende Autorisierungswahn von Pressestellen ist in den letzten Jahren immer wieder ein Thema in der deutschen Journalismusbranche. Das Problem, wenn sich ein Journalist der Autorisierung widersetzt: Er wird nie wieder mit dem Interviewten ein Gespräch kriegen. Journalisten und “VIPs” sind in gewisser Weise voneinander abhängig. Im Ausland hingegen, vor allem im englischsprachigen Raum, ist die Autorisierung eher unüblich.

Die taz ist nicht das erste Medium, das sich gegen Autorisierungen zur Wehr setzt und die Praktiken der Pressestellen öffentlich macht. Die Nachrichtenredaktion der Zeitungsgruppe Lahn-Dill, deren Internetauftritt „mittelhessen.de“ ist, hat ein Interview mit der Grünen-Fraktionschefin Renate Künast nicht veröffentlicht, nachdem deren Partei laut mittelhessen.de „massive Eingriffe in den Text“ vornahm.
Die taz veröffentlichte ihre Fragen an Rösler auch im Hausblog. Ein Beispiel: „Herr Rösler, wann haben Sie bewusst wahrgenommen, dass Sie anders aussehen als die meisten Kinder in Deutschland?“ Im taz-Blog fallen die Kommentare der Leser überwiegend negativ für die taz aus. Da ist von „befremdlichen Fragen“ und einem „despektierlich geführten Interview“ die Rede.
Auch auf Twitter ist ein Shitstorm ausgebrochen. Unter #tazfragen machen sich viele Twitterer darüber lustig und posten eigene unangemessene Fragen. Ein Twitterer schreibt beispielsweise: „Was die #taz Philipp Rösler noch hätte fragen sollen: ‚Sind Sie als Chinese wegen der Farbe Gelb zur FDP gekommen?‘“ Doch es werden nicht nur imaginäre Fragen an Rösler gestellt, auch andere Spitzenpolitiker bleiben von indiskreten Fragen nicht verschont. Ein User witzelt: „Frau Göring-Eckardt, sind Sie aufgrund der Frauenquote Spitzenkandidatin der Grünen?“ Die Chefredakteurin Ines Pohl wird ebenfalls in Tweets angefeindet, zum Beispiel: „Frau Pohl, wie ist das, wenn man täglich an Tageszeitungen vorbeilaufen muss, die von echten JournalistInnen geschrieben werden?“
Eins ist sicher: Die taz wollte mit ihrer Aktion auf die leidige Autorisierungspraxis aufmerksam machen, stattdessen ist die taz nun selbst zur Zielscheibe geworden. Eine Diskussion über Sinnhaftig- und Sinnlosigkeit von Autorisierungen hat die taz jedenfalls nicht ausgelöst.