„Oh Gott, was muss ich jetzt machen?“

„Das läuft nicht auf deinem Laptop!“ – ein Satz, der all meine Vorfreude auf einen Schlag zerstört. Seit Tagen hatte ich mich darauf gefreut, das Spiel zur Trilogie „Zurück in die Zukunft“ ausprobieren zu dürfen. Zum Glück kann ich meinen Freund, von dem der vernichtende Satz stammt, überzeugen: Ich darf seinen leistungsstarken Zocker-PC für meinen Spielversuch benutzen. Allerdings nur unter Aufsicht, damit ich „nichts verstelle“. Ein Hardcore-Zocker und ein Noob spielen zusammen ein Computerspiel. Ein Drama in fünf Akten.

Während ich mich freue, einen langjährigen Spieler an meiner Seite zu haben, ist mein Freund da eher skeptisch. Die Sprache stelle ich auf Englisch, ich will schließlich so viel Original-Feeling wie möglich. Ich starte ein neues Spiel. Es lädt.

Ich (erstaunt): „Guck mal, sogar der Ladebalken sieht aus wie der Fluxkompensator aus dem Film! Den brauchen sie, um im DeLorean durch die Zeit zu reisen!“
Freund: „Oh Gott, ja… Das kann ja was werden…“

Erster Akt: „Ich spiele schon Ewigkeiten Computerspiele“
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Dr. Emmett „Doc“ Brown erscheint und wir stehen auf dem Parkplatz des Supermarkts, auf dem „Doc“ Marty McFly zum ersten Mal die Zeitmaschine – den DeLorean – zeigt. Die Einführungs-Sequenz und die Dialoge ähneln der Szene aus dem Film, bis auf eine Kleinigkeit: Das Spiel ist im Comic-Style gehalten.

Freund: „Jetzt musst du halt anfangen, zu spielen.“
Ich: „Aber der redet doch noch…oder? Da kann man noch nichts machen.“
Freund: „Natürlich! Der wird jetzt die ganze Zeit etwas neues labern. Ich spiele schon Ewigkeiten Computerspiele. Wenn du jetzt nichts machst, fängt er gleich wieder an, irgendetwas zu labern.“

Mehrere Fragen erscheinen neben Docs Gesicht.

Ich: „Oh Gott, was muss ich jetzt machen?“
Freund: „Du musst jetzt mit der Maus auswählen, was du ihn fragen willst.“
Ich: „Ist das das Spiel?!“
Freund: „…ja!“
Ich: „Nur Dialoge?!“
Freund: „Jetzt wart doch mal ab. Vielleicht kommt ja noch was. Immer dieses Ungeduldige…“

Ich wähle die Fragen aus, die Doc beantworten muss. Es dauert minutenlang, bis ich alle Fragen gestellt habe. Ich bin immer noch verwirrt. Was ist das für ein Spiel?

Die erste Aufgabe kommt. Ich muss das Notizbuch für Doc aus dem Werkzeugkasten holen. Ich verstehe zunächst nicht, wie ich einen Gegenstand aufnehmen soll. Doch dann schaffe ich es trotzdem und bin stolz wie Oskar darauf. Der Dialog auf dem Bildschirm zwischen Marty und Doc geht weiter. Plötzlich wird Doc unsichtbar und Marty wacht kurz darauf neben seiner Mutter auf. Die erklärt ihm, dass Martys Vater auf ihn wartet. Und zwar in Docs Haus, wo die Stadt dessen Hab und Gut verscherbelt, schließlich ist der Mann schon seit langem verschwunden. Im Laden befindet sich auch Biff Tannen, bekannt aus den Filmen als der großspurige Vorgesetzte von Martys Vater, der auch ganz gerne Marty tyrannisiert. Am meisten gefällt mir bisher die Musik. Nostalgie-Gefühle kommen sofort auf.

Zweiter Akt: „Anklicken und gucken, was passiert“

Wieder ein Vorspann.

Ich: „Man muss ja gar nichts machen. Was ist denn das für ein Spiel“
Freund: „Das fängt doch jetzt erst an. Hast du noch nie ein großes Computerspiel gespielt? Das ist nicht mehr wie früher, dass man rumhoppelt und dann ist es geschafft und dann hast du nichts mehr zu tun.“
Ich: „Sondern?“
Freund: „Siehst du doch. Es wird erst mal alles gezeigt, dann kriegst du vielleicht noch die Steuerung erklärt. Was weiß ich. So 40 Stunden Spielzeit sollten da schon drin sein.“

40 Stunden?! Wow! Ich bekomme den Hinweis auf meine nächste Aufgabe: Docs Haus nach gefährlichen Dingen zu durchsuchen. Also führe ich meine Spielfigur Marty durch den Raum.

Ich: „Und was muss ich jetzt machen?“
Freund: „Das ist ein Point and Click Adventure. Du musst irgendetwas aussuchen, anklicken und gucken, was passiert.“
Ich: „Aha.“

Dritter Akt: „Hat ja super funktioniert!“
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Marty muss Biff den Gegenstand abluchsen – nur wie?

Ich quäle mich durch endlose Dialoge zwischen Marty und seinem Vater oder Marty und Biff. Ich muss nur die Fragen anwählen und mir die Antworten der Personen anhören. Endlich finde ich den Gegenstand, den ich suchen sollte. Doch dann schnappt Biff ihn mir vor der Nase weg. Ich bin planlos. Wie kann ich Biff den Gegenstand bitte wieder abnehmen? In den Hilfe-Funktionen werde ich fündig: Man kann sich Tipps anzeigen lassen. Dieses Feature nehme ich doch glatt in Anspruch.

Freund: „Ich glaub, das ist nicht der Sinn des Spiels. Du lässt dir ja nur die Hilfe anzeigen die ganze Zeit. Sinn des Spiels ist es ja, selbst etwas herauszufinden, ne, Madame?“
Ich: „Okay…Das heißt, ich renne Biff hinterher oder was?“
Freund: „Du musst halt gucken, was du machen kannst. Wahrscheinlich musst du ihn mit irgendetwas ablenken und dir dann das Notizbuch schnappen.“

Ich versuche es zunächst mit einem Gespräch mit Biff. Erfolglos.

Ich: „Ok, mit Worten hat es schon mal nicht funktioniert.“
Freund: „Nö. Dann musst du dir halt etwas einfallen lassen.“
Ich: „Wie denn? Was denn?“
Freund: „Zum Beispiel die Soundanlage, an der du vorbeigelaufen bist. Der experimentiert doch damit. Mach die doch mal an, ich wette mit dir, damit geht’s.“

Irgendwie schaffe ich es, dass Marty an die Soundanlage geht und daran herumfummelt. Ein kurzer Clip. Ansonsten passiert nichts.

Ich: „Hat ja super funktioniert!“
Freund: „Ja, jetzt hast du den Sound aufgedreht. Jetzt musst du wahrscheinlich auch noch etwas anschließen, wenn du willst, dass Musik herauskommt. Das ist doch logisch. Das ist ein Denkspiel. Jetzt musst du noch eine Gitarre finden, der spielt doch Gitarre im Film.“
Ich: „Super.“
Freund: „Du musst halt mit deiner Umgebung interagieren. Du musst schauen, was es gibt und was du miteinander kombinieren kannst.“

Die Gitarre finde ich nach einigem Hin und Her endlich. Ich schließe sie an und wie in der Anfangsszene des Films schleudert es eine Person durch den lauten Sound nach hinten – nur dieses Mal Biff, der in einem Bücherregal landet und ohnmächtig wird. Ich kann ihm daher den Gegenstand wegnehmen und habe meine erste Aufgabe bewältigt!

Ich (klatschend vor Freude): „Haha, ich hab’s geschafft! Bin ich gut!“
Freund: „Nach tausend Stunden…“
Ich: „Das waren nicht tausend Stunden…nur eine halbe. Ich bin super, oder?“
Freund (genervt): „…mh“

Vierter Akt: „Im Film war kein Frauenschuh“
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Marty sitzt mit Einstein, Docs Hund, im DeLorean. Mit Hilfe des Fluxkompensators (Mitte hinten) sind Zeitreisen möglich.

Mein Erfolgserlebnis währt nicht lange. Ich ahne, dass diese Art von Spiel, in dem man ausprobieren und kombinieren muss, nichts für mich ist. Da fehlt mir einfach die Geduld. In der nächsten Spielszene finde ich im DeLorean – der Zeitmaschine – einen Frauenschuh. Der soll mir einen Hinweis auf Docs Verbleib geben. Denn das ist offenbar meine Aufgabe: Doc finden.

Ich: „Im Film war nichts mit einem Frauenschuh.“
Freund: „Gib doch Einstein mal den Schuh.“
Ich: „Wie kann ich das denn machen?“
Freund: „Klick auf ‚Inventar’…“
Ich: „Ach so! Ohne dich wäre ich fünf Stunden lang an dem Spiel und würde nichts raffen…“

Es funktioniert. Der Hund Einstein schnüffelt an dem Schuh und führt mich kurz darauf zu einem anderen Haus. Zeit für Szene drei. Ich komme nicht ins Haus herein und werde von einer älteren Lady aus dem Fenster des Hauses angebrüllt. Ich laufe etwas hin und her – viel Auslauf habe ich allerdings nicht.

Ich: „Das ist komisch, dass man nicht in so viele Richtungen laufen kann. Das ist alles so vorgefertigt…“
Freund: „…weil es ein Point and Click Adventure ist…“
Ich: „Ach ja…“

Irgendwann komme auch ich auf die Idee, in meinem Inventar zu suchen, was ich der Dame denn zeigen könnte, damit sie mich ins Haus lässt. Anfangs ohne Erfolg.

Freund: „Der Schuh…deswegen ist doch der Hund hierher…wahrscheinlich ist es ihrer und dann ist sie so happy, dass sie dich reinlässt.“

Er hat Recht. Natürlich.

Ich: „Clever kombiniert.“
Freund: „Es gibt nicht viele Möglichkeiten.“
Ich: „Naja, ich wäre jetzt alle Gegenstände durchgegangen…“

Fünfter Akt: „Zurück in die Zukunft! Äh!“
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Ich bin im Raum der alten Dame, die übrigens die Schwester von Martys Vize-Direktor Strickland ist. Auch das ist ein Insider-Witz, denn Strickland liebt es, Marty zurechtzuweisen.
Ich muss mir gefühlte 100 Sätze Dialog zwischen Marty und der alten Dame anhören. Nach einer Ewigkeit verstehe ich, was ich machen muss: Durch einen Trick die alte Dame ablenken, damit sie den Raum verlässt und ich alte Zeitungen durchsuchen kann nach dem Jahr, in dem Doc fest sitzt.

Ich: „Komisch, dass es jetzt geht. Ich habe die Zeitungen vorhin schon mal angeklickt und da ging es nicht weiter.“
Freund: „Weil es noch nicht verfügbar war, weil du ja nicht wusstest, was du damit anfangen sollst… Madame, 0-Punkte-Detektiv!“
Ich: „Ach, weil ich vorhin noch nicht mit der alten Lady geredet habe? Ja, ich dachte, ich hab alles angeklickt, nichts passiert. Ich wusste nicht, dass ich erst mit ihr reden muss.“

Ich hab also endlich das Datum, das ich in den DeLorean eingeben muss, um Doc zu finden: 13. Juni 1931. Nach einem kurzen Gespräch mit seinem Vater kann Marty nun endlich zurück in die Vergangenheit reisen. Die bekannte Titelmelodie ertönt. Ich summe und klatsche mit. Endlich macht das Spiel Spaß!

Ich: „Yeah, ich reise zurück in die Zukunft…äh Vergangenheit. Endlich!“
Freund: „Zurück in…was? Schreibst du das bitte auch in deinen Bericht?“
Ich (leicht beschämt): „Ist doch egal!“

Mein neuer Begleiter

Ich bin nicht dünn, aber auch nicht dick. Positiv formuliert ist meine Figur durchschnittlich. Dennoch merke ich langsam, dass mein täglicher Schokoladenkonsum (100g mindestens) nicht mehr spurlos an meinem Körper vorbei geht. Doch was tun? Ich werde nie eine Heidi Klum-Figur haben. Muss ich auch nicht. Will ich auch nicht. Was will ich dann? Maoam. Nein, Scherz. Es könnte nicht schaden, wenn meine Rundungen ein bisschen weniger rund wären. Ganz verschwinden sollen sie auch nicht. Ein bisschen Weiblichkeit will ich mir dann doch erhalten. Doch was tun? Regelmäßig Sport? Joa. Nein. Wenn ich jetzt anfangen würde, 3x die Woche ins Fitnessstudio zu rennen, hätte ich vielleicht kurzfristig Erfolg. Aber ich weiß, dass ich dieses Pensum nicht mein ganzes Leben lang durchhalten werde. Dementsprechend würde irgendwann der Jojo-Effekt folgen. Nein danke.

Also was dann? Ab und zu mal Sport ist ok, wie zum Beispiel heute eine Runde Speedminton spielen mit meiner Mitbewohnerin. Geht klar. Oder mal tanzen gehen. Fest steht für mich, ich will etwas verändern, aber nicht zu radikal. Schließlich soll es langfristig halten und ganz auf meine geliebte Schokolade verzichten könnte ich nie. Also habe ich mir einen Masterplan überlegt. Vielleicht inspiriert es ja den einen oder anderen von euch.

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Nein, so sehe ich natürlich nicht immer aus, wenn ich meine geliebte Schokolade gegessen habe. Das Bild entstand bei einem Videodreh.  Foto: Martin Böttner

Schritt 1: Weniger Süßigkeiten
Bei den momentan heißen Temperaturen kann man das noch einigermaßen gut verkraften. Ein paar Schokoriegel am Tag müssen sein. Ohne komm ich nicht durch den Tag. Statt 100g kann ich es aber mal mit 50g probieren. 😉

Schritt 2: Kleine Veränderungen im Essverhalten
Ich liebe Pasta! Viel zu oft esse ich Nudeln mit irgendeiner Soße. Auch gerne mal abends. Keine gute Idee. Ich liebe Nudeln und ich würde sie niemals aufgeben. Aber ich kann sie durch Vollkorn-Nudeln ersetzen. Schmeckt genauso gut, ich werde früher satt, esse weniger. Läuft.
Mehr Obst und Gemüse zu essen, fällt mir auch nicht schwer. Habt ihr schon mal Joghurt mit Blaubeeren oder Himbeeren gegessen? Wahnsinnig gut! Oder einfach mal pur eine Gurke? Geht schnell und schmeckt.

Schritt 3: Mehr Bewegung muss her
Gut, ganz ohne mehr Bewegung geht es natürlich nicht. Da für mich regelmäßiger Sport schwierig ist (irgendwie findet man doch immer eine Ausrede), hab ich mir überlegt, was am Besten zu mir passt. Ich liebe es, zu laufen. Damit meine ich nicht joggen. Ich stecke mir meinen mp3-Player an und laufe total gerne in die Stadt oder nach Hause. Da musste ich ansetzen. Deswegen habe ich mir einen Schrittzähler bestellt. Ja, ihr lest richtig. Keine App (meine gelaufenen Schritte online irgendwo speichern? Nein, danke), sondern ein haptisches Gerät, das ich an meiner Hüfte befestige. Für ca. 25 Euro war das Ding zu haben. Neben den gelaufenen Schritten zählt er auch Kalorien, die gelaufenen Kilometer und die Fettverbrennung. Ich war skeptisch, aber hochmotiviert. Vor drei Tagen hab ich das Gerät zum ersten Mal benutzt. Überall werden 10.000 Schritte täglich empfohlen. An meinem ersten Test-Tag hatte ich etwas über 7.000 Schritte. Mehr als erwartet, aber natürlich auch nicht genug.

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Mein neuer Begleiter: Am ersten Tag bin ich etwas mehr als 7.000 Schritte gelaufen. Da geht noch was!

Bisher bin ich begeistert. Ich bin ein ehrgeiziger Mensch und ich liebe Zahlen. Vielleicht ist das genau der Weg, um meinen inneren Schweinehund zu überlisten. Die ersten drei Tage laufen bisher super. Mache ich deswegen ausführliche Spaziergänge? Nein. Aber steige ich deswegen eine Station früher aus der Tram aus, um mehr zu laufen? JA!
Der Schrittzähler ist sicherlich kein Wundergerät, aber es ist zumindest eine Möglichkeit, genauer auf sich und sein (Bewegungs-)verhalten zu achten und leicht nach oben zu korrigieren. Und wie wir ja alle wissen: Kleinvieh macht auch Mist.

PS: Da ich zuerst skeptisch war, habe ich testweise mal selbst mitgezählt bei 50 Schritten. Das Gerät war erstaunlicherweise bei 51, also ziemlich nah dran (oder ich habe mich verzählt 😉 )