Oops I’ll do it again

„Du gehst schon wieder weg?“, „Ist das beruflich überhaupt sinnvoll?“, „Warum gerade Australien?“. So oder so ähnlich waren die Reaktionen, als ich in meinem Freunden-und Familienkreis von meinem Vorhaben erzählte. Ja, ich war bereits zwei Jahre in Amerika. Und ja, ich will wieder weg. Jeder, der schon mal länger weg war, weiß vermutlich, wovon ich spreche. Wenn man einmal gesehen hat, was die Welt da draußen alles zu bieten hat, dann hat man hunger…hunger auf die Welt.

In diesem Blog-Eintrag möchte ich euch schildern, wie aus meiner Idee, „doch nochmal weg zu gehen“ ernst wurde. Ich erzähle euch, wie man die Finanzierungsfrage klären kann und ich werde euch die genauen Ausgaben nennen. Die konkrete Planung hat etwa über ein Jahr gedauert. Falls ihr also etwas ähnliches planen solltet, rate ich euch: fangt frühzeitig damit an!

Warum Australien?

Auf ins Land der Koalas und Kängurus!

Auf ins Land der Koalas und Kängurus!

Tja…das ist nicht klar zu beantworten. Amerika war damals  schon immer mein Traum gewesen, Australien hingegen schien für mich irgendwie immer so unerreichbar und unfassbar weit weg, dass ich es gar nicht großartig auf dem Schirm hatte. Als ich erfuhr, dass es Auslandsbafög gibt und somit die Chance, mit relativ geringen Kosten nochmal ins Ausland gehen zu können (natürlich ausschließlich, um sich beruflich weiterzubilden!), stand für mich fest: das nutze ich.
Ich habe mich dann gefragt, welche Länder der Welt mich interessieren. Ein nicht unwichtiger Punkt war auch, dass meine Großcousine in Australien lebt und sie mir anbot, dass ich bei ihr wohnen könnte. Spätestens da war für mich klar, wenn nicht ich nach Australien gehe unter diesen guten Voraussetzungen – wer dann?
Ich bin weder besonders begabt noch besonders reich. Alles, was ich gemacht habe, war, ein paar (viele) Formulare auszufüllen. Und das könnt ihr auch! Was mich zum nächsten Punkt bringt.

Finanzierung

Die Finanzierung eines solchen Auslandsaufenthaltes ist nicht leicht. Zwar werden einem überall die Vorteile eines Auslandssemesters um die Ohren gehauen, wie man es aber konkret anstellt – da ist man allzu oft auf sich allein gestellt.
Für mich stand von Anfang an fest, dass ich das alles „alleine“ finanzieren würde, das heißt, ohne Finanzspritze von den Eltern – genauso wie bei meinem 2-jährigen Au Pair-Aufenthalt. Da ich seit Jahren Bafög-Empfängerin bin, schrecken mich lange Formulare und viele einzureichende Unterlagen nicht ab. Zumal ich auch für meinen Aufenthalt als Au Pair in Amerika eine nicht enden wollende Dokumentenflut zu bewältigen hatte. Aber das, was für das Auslandssemester nötig war, sprengte alle Grenzen, gemessen an der Dauer des Aufenthaltes.

Was ich anfangs selbst nicht realisiert habe: Das Auslandsbafög erhalte ich erst ab dem Monat, in dem das Studium in Australien offiziell anfängt! Das bedeutet ab März 2015! Wie ihr euch denken könnt, muss man die Studiengebühren im Ausland, Flug und Visum bereits eine ganze Weile vorher bezahlen, was bedeutet: ihr müsst das alles erst einmal vorstrecken! (Was ich nebenbei bemerkt etwas unlogisch finde…ich würde ja kein Auslandsbafög beantragen, wenn ich das Geld bereits hätte).

Also – wie habe ich es gemacht?

1. Auslandsbafög beantragt. Was genau bezahlt wird, seht ihr hier.
2. Bildungskredit beantragt (Einmalzahlung von 3.600 Euro + monatlich 300 Euro)
3. Bausparvertrag gekündigt und ausbezahlen lassen

Was ich bezahlt habe:

Studiengebühren RMIT University Melbourne    5.400 Euro
Flug Melbourne (Hin-und Rückflug)                   1.200 Euro
Working-Holiday-Visum                                        300 Euro
Semesterbeitrag h_ da                                         260 Euro

Ich habe mich für das Working-Holiday-Visum (WHV) entschieden, da es 1. im Vergleich zum Studentenvisum um einiges günstiger war, ich 2. bis zu 12 Monaten in Australien bleiben kann (beim Studentenvisum nur vier Wochen bis nach Ende des Studiums, d.h. maximal 5 Monate) und ich mir somit 3. den Kauf eines Touristenvisums nach dem Studentenvisum erspart habe, für den (sehr wahrscheinlichen) Fall, dass ich länger als 4 Wochen nach Studienende reisen möchte.

Den Semesterbeitrag an meiner Hochschule in Deutschland musste ich weiterhin bezahlen, um die Kurse in Australien an meiner deutschen Hochschule anerkennen lassen zu können.

Zieht man von meinen Kosten, die ich allesamt (!) vorstrecken musste, das ab, das ich vom Auslandsbafög zurück erhalte, liegt mein Eigenanteil bei knapp 1.600 Euro. Viel Geld? Ja. Aber im Vergleich dazu, was ich alles zurück erhalte an Erfahrungen, ist das doch gar nicht so schlecht.

Unterkunft

Ich habe das große Glück, bei meiner Großcousine wohnen zu dürfen, die in einem Suburb 8 km westlich von Melbourne wohnt. Ich habe allerdings andere internationale Studenten kennen gelernt, die noch keine Unterkunft haben. Es ist nicht empfehlenswert, bereits von Deutschland aus eine Wohnung oder WG zu mieten (es sei denn, sie wird von der Uni bereit gestellt – ist aber meistens teurer). Besser ist es, sich vor Ort auf dem Wohnungsmarkt umzusehen. Daher haben sich meine Bekannten erst mal in ein Hostel einquartiert, um dann vor Ort nach einer Bleibe zu suchen. Was dank diverser Internet-Plattformen auch ziemlich schnell geht. Aber vorsicht: die Mietpreise sind sehr hoch. Pro Woche 200-300 AUD sind normal, d.h. pro Monat können umgerechnet schnell mal 500 bis 700 Euro für ein Zimmer fällig werden. (Das Auslandsbafög würde dann zum größten, wenn nich gar ganzen, Teil für die Miete drauf gehen. Mal ganz davon abgesehen, dass die Lebenshaltungskosten hier extrem hoch sind. Aber zum Glück darf man mit dem Studentenvisum 40 Stunden je 14 Tage arbeiten, mit dem WHV sogar noch mehr.)

Was ich besser machen würde?

Rückblickend gesagt: Sobald für dich feststeht, dass du ein Auslandssemester auf jeden Fall durchziehst: beantrage alles gleichzeitig, so schnell wie möglich. Ich habe den Fehler gemacht, meiner Philosophie von „Step by Step“ zu folgen, was im einzelnen hieß: Erst nachdem ich die Noten für das 4. Semester hatte, konnte ich Auslandsbafög beantragen. Und erst, als feststand, dass ich Auslandsbafög bekommen würde, habe ich den Antrag für einen Bildungskredit gestellt. Wie ihr euch vielleicht denken könnt, dauert es bei jedem Antrag einige Zeit, bis dieser genehmigt wird. Da zogen schon einige Monate ins Land. Ich hätte mir viele Nerven sparen können, wenn ich Auslandsbafög und Bildungskredit gleichzeitig beantragt hätte. So verblieben zwischen dem Tag, an dem das Geld da war und dem Tag meiner Ausreise gerade mal vier Wochen, in denen noch verdammt viel organisiert werden musste.

Weitere Tipps:
– Holt euch den internationalen Studentenausweis (kostet ca. 15 Euro) – damit bekommt man Flüge günstiger!
– Es ist ratsam, sich den internationalen Führerschein zu besorgen– dann könnt ihr in Australien problemlos Autos mieten
– Sprecht viel mit Leuten, die das, was ihr vorhabt, schon gemacht habt. Die können euch viele wertvolle Hinweise und Tipps geben!
– Mit dem Working-Holiday-Visum (WHV) könnt ihr nach dem Semester noch bis zu 12 Monate im Land bleiben und euren Aufenthalt mit Arbeit vor Ort finanzieren (und natürlich reisen!) – einziger Haken: das WHV bekommt ihr nur einmal im Leben.