Oops I’ll do it again

„Du gehst schon wieder weg?“, „Ist das beruflich überhaupt sinnvoll?“, „Warum gerade Australien?“. So oder so ähnlich waren die Reaktionen, als ich in meinem Freunden-und Familienkreis von meinem Vorhaben erzählte. Ja, ich war bereits zwei Jahre in Amerika. Und ja, ich will wieder weg. Jeder, der schon mal länger weg war, weiß vermutlich, wovon ich spreche. Wenn man einmal gesehen hat, was die Welt da draußen alles zu bieten hat, dann hat man hunger…hunger auf die Welt.

In diesem Blog-Eintrag möchte ich euch schildern, wie aus meiner Idee, „doch nochmal weg zu gehen“ ernst wurde. Ich erzähle euch, wie man die Finanzierungsfrage klären kann und ich werde euch die genauen Ausgaben nennen. Die konkrete Planung hat etwa über ein Jahr gedauert. Falls ihr also etwas ähnliches planen solltet, rate ich euch: fangt frühzeitig damit an!

Warum Australien?

Auf ins Land der Koalas und Kängurus!

Auf ins Land der Koalas und Kängurus!

Tja…das ist nicht klar zu beantworten. Amerika war damals  schon immer mein Traum gewesen, Australien hingegen schien für mich irgendwie immer so unerreichbar und unfassbar weit weg, dass ich es gar nicht großartig auf dem Schirm hatte. Als ich erfuhr, dass es Auslandsbafög gibt und somit die Chance, mit relativ geringen Kosten nochmal ins Ausland gehen zu können (natürlich ausschließlich, um sich beruflich weiterzubilden!), stand für mich fest: das nutze ich.
Ich habe mich dann gefragt, welche Länder der Welt mich interessieren. Ein nicht unwichtiger Punkt war auch, dass meine Großcousine in Australien lebt und sie mir anbot, dass ich bei ihr wohnen könnte. Spätestens da war für mich klar, wenn nicht ich nach Australien gehe unter diesen guten Voraussetzungen – wer dann?
Ich bin weder besonders begabt noch besonders reich. Alles, was ich gemacht habe, war, ein paar (viele) Formulare auszufüllen. Und das könnt ihr auch! Was mich zum nächsten Punkt bringt.

Finanzierung

Die Finanzierung eines solchen Auslandsaufenthaltes ist nicht leicht. Zwar werden einem überall die Vorteile eines Auslandssemesters um die Ohren gehauen, wie man es aber konkret anstellt – da ist man allzu oft auf sich allein gestellt.
Für mich stand von Anfang an fest, dass ich das alles „alleine“ finanzieren würde, das heißt, ohne Finanzspritze von den Eltern – genauso wie bei meinem 2-jährigen Au Pair-Aufenthalt. Da ich seit Jahren Bafög-Empfängerin bin, schrecken mich lange Formulare und viele einzureichende Unterlagen nicht ab. Zumal ich auch für meinen Aufenthalt als Au Pair in Amerika eine nicht enden wollende Dokumentenflut zu bewältigen hatte. Aber das, was für das Auslandssemester nötig war, sprengte alle Grenzen, gemessen an der Dauer des Aufenthaltes.

Was ich anfangs selbst nicht realisiert habe: Das Auslandsbafög erhalte ich erst ab dem Monat, in dem das Studium in Australien offiziell anfängt! Das bedeutet ab März 2015! Wie ihr euch denken könnt, muss man die Studiengebühren im Ausland, Flug und Visum bereits eine ganze Weile vorher bezahlen, was bedeutet: ihr müsst das alles erst einmal vorstrecken! (Was ich nebenbei bemerkt etwas unlogisch finde…ich würde ja kein Auslandsbafög beantragen, wenn ich das Geld bereits hätte).

Also – wie habe ich es gemacht?

1. Auslandsbafög beantragt. Was genau bezahlt wird, seht ihr hier.
2. Bildungskredit beantragt (Einmalzahlung von 3.600 Euro + monatlich 300 Euro)
3. Bausparvertrag gekündigt und ausbezahlen lassen

Was ich bezahlt habe:

Studiengebühren RMIT University Melbourne    5.400 Euro
Flug Melbourne (Hin-und Rückflug)                   1.200 Euro
Working-Holiday-Visum                                        300 Euro
Semesterbeitrag h_ da                                         260 Euro

Ich habe mich für das Working-Holiday-Visum (WHV) entschieden, da es 1. im Vergleich zum Studentenvisum um einiges günstiger war, ich 2. bis zu 12 Monaten in Australien bleiben kann (beim Studentenvisum nur vier Wochen bis nach Ende des Studiums, d.h. maximal 5 Monate) und ich mir somit 3. den Kauf eines Touristenvisums nach dem Studentenvisum erspart habe, für den (sehr wahrscheinlichen) Fall, dass ich länger als 4 Wochen nach Studienende reisen möchte.

Den Semesterbeitrag an meiner Hochschule in Deutschland musste ich weiterhin bezahlen, um die Kurse in Australien an meiner deutschen Hochschule anerkennen lassen zu können.

Zieht man von meinen Kosten, die ich allesamt (!) vorstrecken musste, das ab, das ich vom Auslandsbafög zurück erhalte, liegt mein Eigenanteil bei knapp 1.600 Euro. Viel Geld? Ja. Aber im Vergleich dazu, was ich alles zurück erhalte an Erfahrungen, ist das doch gar nicht so schlecht.

Unterkunft

Ich habe das große Glück, bei meiner Großcousine wohnen zu dürfen, die in einem Suburb 8 km westlich von Melbourne wohnt. Ich habe allerdings andere internationale Studenten kennen gelernt, die noch keine Unterkunft haben. Es ist nicht empfehlenswert, bereits von Deutschland aus eine Wohnung oder WG zu mieten (es sei denn, sie wird von der Uni bereit gestellt – ist aber meistens teurer). Besser ist es, sich vor Ort auf dem Wohnungsmarkt umzusehen. Daher haben sich meine Bekannten erst mal in ein Hostel einquartiert, um dann vor Ort nach einer Bleibe zu suchen. Was dank diverser Internet-Plattformen auch ziemlich schnell geht. Aber vorsicht: die Mietpreise sind sehr hoch. Pro Woche 200-300 AUD sind normal, d.h. pro Monat können umgerechnet schnell mal 500 bis 700 Euro für ein Zimmer fällig werden. (Das Auslandsbafög würde dann zum größten, wenn nich gar ganzen, Teil für die Miete drauf gehen. Mal ganz davon abgesehen, dass die Lebenshaltungskosten hier extrem hoch sind. Aber zum Glück darf man mit dem Studentenvisum 40 Stunden je 14 Tage arbeiten, mit dem WHV sogar noch mehr.)

Was ich besser machen würde?

Rückblickend gesagt: Sobald für dich feststeht, dass du ein Auslandssemester auf jeden Fall durchziehst: beantrage alles gleichzeitig, so schnell wie möglich. Ich habe den Fehler gemacht, meiner Philosophie von „Step by Step“ zu folgen, was im einzelnen hieß: Erst nachdem ich die Noten für das 4. Semester hatte, konnte ich Auslandsbafög beantragen. Und erst, als feststand, dass ich Auslandsbafög bekommen würde, habe ich den Antrag für einen Bildungskredit gestellt. Wie ihr euch vielleicht denken könnt, dauert es bei jedem Antrag einige Zeit, bis dieser genehmigt wird. Da zogen schon einige Monate ins Land. Ich hätte mir viele Nerven sparen können, wenn ich Auslandsbafög und Bildungskredit gleichzeitig beantragt hätte. So verblieben zwischen dem Tag, an dem das Geld da war und dem Tag meiner Ausreise gerade mal vier Wochen, in denen noch verdammt viel organisiert werden musste.

Weitere Tipps:
– Holt euch den internationalen Studentenausweis (kostet ca. 15 Euro) – damit bekommt man Flüge günstiger!
– Es ist ratsam, sich den internationalen Führerschein zu besorgen– dann könnt ihr in Australien problemlos Autos mieten
– Sprecht viel mit Leuten, die das, was ihr vorhabt, schon gemacht habt. Die können euch viele wertvolle Hinweise und Tipps geben!
– Mit dem Working-Holiday-Visum (WHV) könnt ihr nach dem Semester noch bis zu 12 Monate im Land bleiben und euren Aufenthalt mit Arbeit vor Ort finanzieren (und natürlich reisen!) – einziger Haken: das WHV bekommt ihr nur einmal im Leben.

„Oh Gott, was muss ich jetzt machen?“

„Das läuft nicht auf deinem Laptop!“ – ein Satz, der all meine Vorfreude auf einen Schlag zerstört. Seit Tagen hatte ich mich darauf gefreut, das Spiel zur Trilogie „Zurück in die Zukunft“ ausprobieren zu dürfen. Zum Glück kann ich meinen Freund, von dem der vernichtende Satz stammt, überzeugen: Ich darf seinen leistungsstarken Zocker-PC für meinen Spielversuch benutzen. Allerdings nur unter Aufsicht, damit ich „nichts verstelle“. Ein Hardcore-Zocker und ein Noob spielen zusammen ein Computerspiel. Ein Drama in fünf Akten.

Während ich mich freue, einen langjährigen Spieler an meiner Seite zu haben, ist mein Freund da eher skeptisch. Die Sprache stelle ich auf Englisch, ich will schließlich so viel Original-Feeling wie möglich. Ich starte ein neues Spiel. Es lädt.

Ich (erstaunt): „Guck mal, sogar der Ladebalken sieht aus wie der Fluxkompensator aus dem Film! Den brauchen sie, um im DeLorean durch die Zeit zu reisen!“
Freund: „Oh Gott, ja… Das kann ja was werden…“

Erster Akt: „Ich spiele schon Ewigkeiten Computerspiele“
Bild
Dr. Emmett „Doc“ Brown erscheint und wir stehen auf dem Parkplatz des Supermarkts, auf dem „Doc“ Marty McFly zum ersten Mal die Zeitmaschine – den DeLorean – zeigt. Die Einführungs-Sequenz und die Dialoge ähneln der Szene aus dem Film, bis auf eine Kleinigkeit: Das Spiel ist im Comic-Style gehalten.

Freund: „Jetzt musst du halt anfangen, zu spielen.“
Ich: „Aber der redet doch noch…oder? Da kann man noch nichts machen.“
Freund: „Natürlich! Der wird jetzt die ganze Zeit etwas neues labern. Ich spiele schon Ewigkeiten Computerspiele. Wenn du jetzt nichts machst, fängt er gleich wieder an, irgendetwas zu labern.“

Mehrere Fragen erscheinen neben Docs Gesicht.

Ich: „Oh Gott, was muss ich jetzt machen?“
Freund: „Du musst jetzt mit der Maus auswählen, was du ihn fragen willst.“
Ich: „Ist das das Spiel?!“
Freund: „…ja!“
Ich: „Nur Dialoge?!“
Freund: „Jetzt wart doch mal ab. Vielleicht kommt ja noch was. Immer dieses Ungeduldige…“

Ich wähle die Fragen aus, die Doc beantworten muss. Es dauert minutenlang, bis ich alle Fragen gestellt habe. Ich bin immer noch verwirrt. Was ist das für ein Spiel?

Die erste Aufgabe kommt. Ich muss das Notizbuch für Doc aus dem Werkzeugkasten holen. Ich verstehe zunächst nicht, wie ich einen Gegenstand aufnehmen soll. Doch dann schaffe ich es trotzdem und bin stolz wie Oskar darauf. Der Dialog auf dem Bildschirm zwischen Marty und Doc geht weiter. Plötzlich wird Doc unsichtbar und Marty wacht kurz darauf neben seiner Mutter auf. Die erklärt ihm, dass Martys Vater auf ihn wartet. Und zwar in Docs Haus, wo die Stadt dessen Hab und Gut verscherbelt, schließlich ist der Mann schon seit langem verschwunden. Im Laden befindet sich auch Biff Tannen, bekannt aus den Filmen als der großspurige Vorgesetzte von Martys Vater, der auch ganz gerne Marty tyrannisiert. Am meisten gefällt mir bisher die Musik. Nostalgie-Gefühle kommen sofort auf.

Zweiter Akt: „Anklicken und gucken, was passiert“

Wieder ein Vorspann.

Ich: „Man muss ja gar nichts machen. Was ist denn das für ein Spiel“
Freund: „Das fängt doch jetzt erst an. Hast du noch nie ein großes Computerspiel gespielt? Das ist nicht mehr wie früher, dass man rumhoppelt und dann ist es geschafft und dann hast du nichts mehr zu tun.“
Ich: „Sondern?“
Freund: „Siehst du doch. Es wird erst mal alles gezeigt, dann kriegst du vielleicht noch die Steuerung erklärt. Was weiß ich. So 40 Stunden Spielzeit sollten da schon drin sein.“

40 Stunden?! Wow! Ich bekomme den Hinweis auf meine nächste Aufgabe: Docs Haus nach gefährlichen Dingen zu durchsuchen. Also führe ich meine Spielfigur Marty durch den Raum.

Ich: „Und was muss ich jetzt machen?“
Freund: „Das ist ein Point and Click Adventure. Du musst irgendetwas aussuchen, anklicken und gucken, was passiert.“
Ich: „Aha.“

Dritter Akt: „Hat ja super funktioniert!“
Bild
Marty muss Biff den Gegenstand abluchsen – nur wie?

Ich quäle mich durch endlose Dialoge zwischen Marty und seinem Vater oder Marty und Biff. Ich muss nur die Fragen anwählen und mir die Antworten der Personen anhören. Endlich finde ich den Gegenstand, den ich suchen sollte. Doch dann schnappt Biff ihn mir vor der Nase weg. Ich bin planlos. Wie kann ich Biff den Gegenstand bitte wieder abnehmen? In den Hilfe-Funktionen werde ich fündig: Man kann sich Tipps anzeigen lassen. Dieses Feature nehme ich doch glatt in Anspruch.

Freund: „Ich glaub, das ist nicht der Sinn des Spiels. Du lässt dir ja nur die Hilfe anzeigen die ganze Zeit. Sinn des Spiels ist es ja, selbst etwas herauszufinden, ne, Madame?“
Ich: „Okay…Das heißt, ich renne Biff hinterher oder was?“
Freund: „Du musst halt gucken, was du machen kannst. Wahrscheinlich musst du ihn mit irgendetwas ablenken und dir dann das Notizbuch schnappen.“

Ich versuche es zunächst mit einem Gespräch mit Biff. Erfolglos.

Ich: „Ok, mit Worten hat es schon mal nicht funktioniert.“
Freund: „Nö. Dann musst du dir halt etwas einfallen lassen.“
Ich: „Wie denn? Was denn?“
Freund: „Zum Beispiel die Soundanlage, an der du vorbeigelaufen bist. Der experimentiert doch damit. Mach die doch mal an, ich wette mit dir, damit geht’s.“

Irgendwie schaffe ich es, dass Marty an die Soundanlage geht und daran herumfummelt. Ein kurzer Clip. Ansonsten passiert nichts.

Ich: „Hat ja super funktioniert!“
Freund: „Ja, jetzt hast du den Sound aufgedreht. Jetzt musst du wahrscheinlich auch noch etwas anschließen, wenn du willst, dass Musik herauskommt. Das ist doch logisch. Das ist ein Denkspiel. Jetzt musst du noch eine Gitarre finden, der spielt doch Gitarre im Film.“
Ich: „Super.“
Freund: „Du musst halt mit deiner Umgebung interagieren. Du musst schauen, was es gibt und was du miteinander kombinieren kannst.“

Die Gitarre finde ich nach einigem Hin und Her endlich. Ich schließe sie an und wie in der Anfangsszene des Films schleudert es eine Person durch den lauten Sound nach hinten – nur dieses Mal Biff, der in einem Bücherregal landet und ohnmächtig wird. Ich kann ihm daher den Gegenstand wegnehmen und habe meine erste Aufgabe bewältigt!

Ich (klatschend vor Freude): „Haha, ich hab’s geschafft! Bin ich gut!“
Freund: „Nach tausend Stunden…“
Ich: „Das waren nicht tausend Stunden…nur eine halbe. Ich bin super, oder?“
Freund (genervt): „…mh“

Vierter Akt: „Im Film war kein Frauenschuh“
Bild
Marty sitzt mit Einstein, Docs Hund, im DeLorean. Mit Hilfe des Fluxkompensators (Mitte hinten) sind Zeitreisen möglich.

Mein Erfolgserlebnis währt nicht lange. Ich ahne, dass diese Art von Spiel, in dem man ausprobieren und kombinieren muss, nichts für mich ist. Da fehlt mir einfach die Geduld. In der nächsten Spielszene finde ich im DeLorean – der Zeitmaschine – einen Frauenschuh. Der soll mir einen Hinweis auf Docs Verbleib geben. Denn das ist offenbar meine Aufgabe: Doc finden.

Ich: „Im Film war nichts mit einem Frauenschuh.“
Freund: „Gib doch Einstein mal den Schuh.“
Ich: „Wie kann ich das denn machen?“
Freund: „Klick auf ‚Inventar’…“
Ich: „Ach so! Ohne dich wäre ich fünf Stunden lang an dem Spiel und würde nichts raffen…“

Es funktioniert. Der Hund Einstein schnüffelt an dem Schuh und führt mich kurz darauf zu einem anderen Haus. Zeit für Szene drei. Ich komme nicht ins Haus herein und werde von einer älteren Lady aus dem Fenster des Hauses angebrüllt. Ich laufe etwas hin und her – viel Auslauf habe ich allerdings nicht.

Ich: „Das ist komisch, dass man nicht in so viele Richtungen laufen kann. Das ist alles so vorgefertigt…“
Freund: „…weil es ein Point and Click Adventure ist…“
Ich: „Ach ja…“

Irgendwann komme auch ich auf die Idee, in meinem Inventar zu suchen, was ich der Dame denn zeigen könnte, damit sie mich ins Haus lässt. Anfangs ohne Erfolg.

Freund: „Der Schuh…deswegen ist doch der Hund hierher…wahrscheinlich ist es ihrer und dann ist sie so happy, dass sie dich reinlässt.“

Er hat Recht. Natürlich.

Ich: „Clever kombiniert.“
Freund: „Es gibt nicht viele Möglichkeiten.“
Ich: „Naja, ich wäre jetzt alle Gegenstände durchgegangen…“

Fünfter Akt: „Zurück in die Zukunft! Äh!“
Bild

Ich bin im Raum der alten Dame, die übrigens die Schwester von Martys Vize-Direktor Strickland ist. Auch das ist ein Insider-Witz, denn Strickland liebt es, Marty zurechtzuweisen.
Ich muss mir gefühlte 100 Sätze Dialog zwischen Marty und der alten Dame anhören. Nach einer Ewigkeit verstehe ich, was ich machen muss: Durch einen Trick die alte Dame ablenken, damit sie den Raum verlässt und ich alte Zeitungen durchsuchen kann nach dem Jahr, in dem Doc fest sitzt.

Ich: „Komisch, dass es jetzt geht. Ich habe die Zeitungen vorhin schon mal angeklickt und da ging es nicht weiter.“
Freund: „Weil es noch nicht verfügbar war, weil du ja nicht wusstest, was du damit anfangen sollst… Madame, 0-Punkte-Detektiv!“
Ich: „Ach, weil ich vorhin noch nicht mit der alten Lady geredet habe? Ja, ich dachte, ich hab alles angeklickt, nichts passiert. Ich wusste nicht, dass ich erst mit ihr reden muss.“

Ich hab also endlich das Datum, das ich in den DeLorean eingeben muss, um Doc zu finden: 13. Juni 1931. Nach einem kurzen Gespräch mit seinem Vater kann Marty nun endlich zurück in die Vergangenheit reisen. Die bekannte Titelmelodie ertönt. Ich summe und klatsche mit. Endlich macht das Spiel Spaß!

Ich: „Yeah, ich reise zurück in die Zukunft…äh Vergangenheit. Endlich!“
Freund: „Zurück in…was? Schreibst du das bitte auch in deinen Bericht?“
Ich (leicht beschämt): „Ist doch egal!“

Mein neuer Begleiter

Ich bin nicht dünn, aber auch nicht dick. Positiv formuliert ist meine Figur durchschnittlich. Dennoch merke ich langsam, dass mein täglicher Schokoladenkonsum (100g mindestens) nicht mehr spurlos an meinem Körper vorbei geht. Doch was tun? Ich werde nie eine Heidi Klum-Figur haben. Muss ich auch nicht. Will ich auch nicht. Was will ich dann? Maoam. Nein, Scherz. Es könnte nicht schaden, wenn meine Rundungen ein bisschen weniger rund wären. Ganz verschwinden sollen sie auch nicht. Ein bisschen Weiblichkeit will ich mir dann doch erhalten. Doch was tun? Regelmäßig Sport? Joa. Nein. Wenn ich jetzt anfangen würde, 3x die Woche ins Fitnessstudio zu rennen, hätte ich vielleicht kurzfristig Erfolg. Aber ich weiß, dass ich dieses Pensum nicht mein ganzes Leben lang durchhalten werde. Dementsprechend würde irgendwann der Jojo-Effekt folgen. Nein danke.

Also was dann? Ab und zu mal Sport ist ok, wie zum Beispiel heute eine Runde Speedminton spielen mit meiner Mitbewohnerin. Geht klar. Oder mal tanzen gehen. Fest steht für mich, ich will etwas verändern, aber nicht zu radikal. Schließlich soll es langfristig halten und ganz auf meine geliebte Schokolade verzichten könnte ich nie. Also habe ich mir einen Masterplan überlegt. Vielleicht inspiriert es ja den einen oder anderen von euch.

wastutmannichtalles-e1399137069370

Nein, so sehe ich natürlich nicht immer aus, wenn ich meine geliebte Schokolade gegessen habe. Das Bild entstand bei einem Videodreh.  Foto: Martin Böttner

Schritt 1: Weniger Süßigkeiten
Bei den momentan heißen Temperaturen kann man das noch einigermaßen gut verkraften. Ein paar Schokoriegel am Tag müssen sein. Ohne komm ich nicht durch den Tag. Statt 100g kann ich es aber mal mit 50g probieren. 😉

Schritt 2: Kleine Veränderungen im Essverhalten
Ich liebe Pasta! Viel zu oft esse ich Nudeln mit irgendeiner Soße. Auch gerne mal abends. Keine gute Idee. Ich liebe Nudeln und ich würde sie niemals aufgeben. Aber ich kann sie durch Vollkorn-Nudeln ersetzen. Schmeckt genauso gut, ich werde früher satt, esse weniger. Läuft.
Mehr Obst und Gemüse zu essen, fällt mir auch nicht schwer. Habt ihr schon mal Joghurt mit Blaubeeren oder Himbeeren gegessen? Wahnsinnig gut! Oder einfach mal pur eine Gurke? Geht schnell und schmeckt.

Schritt 3: Mehr Bewegung muss her
Gut, ganz ohne mehr Bewegung geht es natürlich nicht. Da für mich regelmäßiger Sport schwierig ist (irgendwie findet man doch immer eine Ausrede), hab ich mir überlegt, was am Besten zu mir passt. Ich liebe es, zu laufen. Damit meine ich nicht joggen. Ich stecke mir meinen mp3-Player an und laufe total gerne in die Stadt oder nach Hause. Da musste ich ansetzen. Deswegen habe ich mir einen Schrittzähler bestellt. Ja, ihr lest richtig. Keine App (meine gelaufenen Schritte online irgendwo speichern? Nein, danke), sondern ein haptisches Gerät, das ich an meiner Hüfte befestige. Für ca. 25 Euro war das Ding zu haben. Neben den gelaufenen Schritten zählt er auch Kalorien, die gelaufenen Kilometer und die Fettverbrennung. Ich war skeptisch, aber hochmotiviert. Vor drei Tagen hab ich das Gerät zum ersten Mal benutzt. Überall werden 10.000 Schritte täglich empfohlen. An meinem ersten Test-Tag hatte ich etwas über 7.000 Schritte. Mehr als erwartet, aber natürlich auch nicht genug.

schrittzähler

Mein neuer Begleiter: Am ersten Tag bin ich etwas mehr als 7.000 Schritte gelaufen. Da geht noch was!

Bisher bin ich begeistert. Ich bin ein ehrgeiziger Mensch und ich liebe Zahlen. Vielleicht ist das genau der Weg, um meinen inneren Schweinehund zu überlisten. Die ersten drei Tage laufen bisher super. Mache ich deswegen ausführliche Spaziergänge? Nein. Aber steige ich deswegen eine Station früher aus der Tram aus, um mehr zu laufen? JA!
Der Schrittzähler ist sicherlich kein Wundergerät, aber es ist zumindest eine Möglichkeit, genauer auf sich und sein (Bewegungs-)verhalten zu achten und leicht nach oben zu korrigieren. Und wie wir ja alle wissen: Kleinvieh macht auch Mist.

PS: Da ich zuerst skeptisch war, habe ich testweise mal selbst mitgezählt bei 50 Schritten. Das Gerät war erstaunlicherweise bei 51, also ziemlich nah dran (oder ich habe mich verzählt 😉 )

„Ich nehme keine Paare an, bei denen ich keine Hoffnung sehe „

Die Scheidungsrate nimmt in den westlichen Ländern seit Jahren immer mehr zu. 2012 lag die Scheidungsrate bei 46,2 Prozent. Das bedeutet, dass fast jede zweite Ehe geschieden wird. Deshalb versuchen viele Paare, dem zuvor zu kommen und wollen die Probleme ihrer Beziehung in einer Paar-und Sexualtherapie aufarbeiten. Doch nicht nur Ehepaare gehen zu den Therapiestunden, auch immer jüngere unverheiratete Paare lassen sich von Experten helfen. Im Interview erzählt die selbstständige Paar-und Sexualtherapeutin Petra Hertkorn aus Darmstadt, mit welchen Methoden sie ihnen hilft, welche Paare zu ihnen kommen und wann jede Hoffnung verloren ist.

Bild

Paar-und Sexualtherapeutin Petra Hertkorn aus Darmstadt.
Foto: Privat

Frau Hertkorn, wie kamen Sie von einem Studium in den Bereichen Philosophie und Verwaltungswissenschaften zur Paar-und Sexualtherapie?
Petra Hertkorn: Nach meinem Studium habe ich in vielen sozialen Bereichen gearbeitet und irgendwann in die Industrie gewechselt. In einem Unternehmen war ich dann für die Strategieentwicklung zuständig und habe Qualitätsmanagement-Systeme aufgebaut. Dort bekam ich Personen geschickt und die sollten dann so verändert werden, dass sie zum Unternehmen passen und dem Unternehmen Mehrwert bringen. Ich kam dann an den Punkt, an dem ich das nicht mehr wollte. Ich wollte mir meine Klienten selbst aussuchen und auch nur mit Menschen arbeiten, die das auch wirklich wollen. Es gehört auch nicht zu meinem Weltbild, gerade im psychologischen Bereich, dass man Menschen in eine Richtung schickt, in die sie selbst nicht wollen. Daraufhin habe ich mich entschieden, nochmal zu studieren und die Ausbildung zur *Systemischen Therapeutin zu machen. Mit einer Praxis habe ich mich dann selbstständig gemacht. Hier kommen die Menschen her, weil sie es wollen.

Wie läuft eine Therapiestunde ab?
Wenn ich ein Paar für die Therapie annehme, dann ist die Frage: Wo steht das Paar? Das entscheidet darüber, wie man vorgeht. Trainiert man Konfliktverhalten oder Resignation. Resignation ist eine Fähigkeit, das wird unterschätzt. Resignieren können heißt hoffnungslos werden, das ist das größte Geschenk, das ein Mensch haben kann. Stellen Sie sich vor, Sie hatten einen Motorradunfall und ein Bein ist weg. Dann starren Sie immer hoffnungsvoll auf den Stumpf. Es gibt einen Spruch: „Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“ Paar-und Sexualtherapie ist ein permanenter Ist-Soll-Vergleich. Beide schauen, was machbar ist und wo wohlwollende Resignation sinnvoll ist. Das Ziel der Paartherapie: gute Beziehung oder gute Trennung.

Wer sind Ihre typischen Klienten?
Verstärkt junge Paare, die heiraten wollen und Probleme bewältigen wollen. Die sind dann zwischen 25 und Anfang 30 Jahre und wollen präventiv arbeiten. Das sind meine Lieblingskunden. Mit denen schließe ich dann eine Art Ehevertrag, in dem drinsteht, wie man mit den Konfliktthemen umgeht. Die zweite Klientengruppe sind Paare zwischen 30 und 40 Jahren, die schon die ersten ein oder zwei Kinder haben. Da ist dann oft das Sexleben weg und sie leben nur für die Kinder. Bei solchen Paaren müssen Strukturen geschaffen werden.

Wie viel kostet eine Therapiestunde?
Eine Therapiestunde bei mir kostet 100 Euro. Ich nehme allerdings keine Paare an, bei denen ich keine Hoffnung sehe. Ich bin frei in der Wahl, anders als in der Industrie. Und wenn ich bei Paaren keine Hoffnung mehr sehe, sage ich auch mal: „Ihre Ehe ist aus meiner Sicht beendet“. Dass es endlich mal jemand ausspricht, kann manchmal auch sehr entlastend sein für die Paare.

Wie viele Klienten haben Sie?
In der Woche habe ich 15-20 Klienten. Systematische Therapie ist immer Kurzzeittherapie. Ich sage den Paaren immer, nach sechs, spätestens acht Sitzungen werfe ich sie hier wieder raus. Es braucht Druck dahinter, dass das Paar auch wirklich an sich arbeitet. Hier kann jede Stunde die letzte sein, weil ich jederzeit sagen kann, ich möchte nicht mehr mit dem Paar weiter arbeiten. Da bin ich sehr strikt.

Gibt es auch No Gos in den Therapiestunden?
Ja. Wenn Paare in der Therapiestunde Vergangenheitsabrechnung machen und anfangen mit „Du hast das gemacht“ – „Ja, aber nur, weil du dies gemacht hast“. Da breche ich sofort ab. Dafür ist hier kein Platz. Wenn sich die Paare nur Vorwürfe machen wollen, können sie das auch zu Hause machen.

Mit welchen Problemen im Bereich Sexualität kommen die Paare zu Ihnen?
Es gibt drei klassische Beispiele in der Sexualtherapie. Erstens: Der Mann erkrankt an einer Erektionsstörung, zum Beispiel durch Testosteronmangel oder durch Medikamente und Erkrankungen. Dann stellt sich die Frage: Wie geht das Paar damit um? Zweitens: Der eine Partner hat Interesse an Sadomaso-Praktiken, der andere will das aber nicht. Wie passt das mit dem Treueversprechen zusammen, wenn unterschiedliche sexuelle Bedürfnisse da sind? Und drittens: Das junge Paar, das sein erstes Kind bekommen hat. Die Frau erzeugt das Bindungshormon Oxytocin, das auch beim Orgasmus ausgelöst wird, durch das Stillen und Streicheln eines Babys. Die Frau ist also nicht nur erschöpft vom Alltag mit dem Baby, sondern auch sozial satt und hat keine Lust auf Sex. Der Mann hingegen war den ganzen Tag arbeiten und kommt sozial nicht-satt nach Hause und da klaffen die Bedürfnisse auseinander.

Will der Mann denn meistens mehr Sex als die Frau?
Bei Paaren unter 45 Jahren will der Mann zu 80 Prozent mehr Sex als die Frau. Ab 45 Jahren kippt das dann und die Frau will mehr Sex als der Mann.

Wieso können Paare ihre Konflikte nicht alleine lösen?
Weil wir das alle nicht gelernt haben und ich glaube, weil es auch ganz menschlich ist. Klassisches Konfliktmanagement ist: Zwei Personen wollen nicht zur gleichen Zeit das gleiche auf die gleiche Art. Das ist der Alltag. Klassische Lösung im Konfliktmanagement ist die Revierlösung. Einer bestimmt, einer passt sich an. Der, der bestimmt, bekommt, was er möchte. Der, der sich anpasst, bekommt nicht, was er möchte. Das ist die perfekte Art, Konflikte zu lösen, solange jeder in dem Bereich bestimmen kann, der ihm wichtig ist. Und es ist selten, dass den Menschen der gleiche Bereich gleich wichtig ist. Man hat vielleicht in jedem Bereich eine andere Vorstellung. Ein Beispiel: Das Paar kauft sich ein neues Auto. Früher war es so, dass der Mann die PS-Zahl bestimmt, die Frau die Farbe. Also beide bestimmen den Bereich, der für sie entscheidend ist, und beide fühlen sich gewürdigt, weil sie mitreden können.

petra hertkorn flipchart

Petra Hertkorn arbeitet in den Therapiestunden gerne mit Flipchart.
Foto: Sonja Nowack

Klassische Rollenverteilung früher: Die Frau hatte als Kernkompetenz Haushalt und Kinder, der Mann, das Geld verdienen. Wenn sich der junge Vater einmischt bei dem Kind und sagt, das Kind bräuchte eine Mütze, sagt die Mutter „nein, das ist mein Bereich, meine Kompetenz, das geht dich gar nichts an“. Da geht es nicht um die Mütze, sondern um das Revier. Wenn beide bestimmen wollen, entsteht ein Machtkampf, verbunden mit „Ich habe Recht, du hast Unrecht“. Und da ist es wurscht, ob es um Sex geht oder um die Mütze von Kindern. Die Paare kommen, weil es früher geklappt hat, weil klar war, wer für welches Revier verantwortlich ist. Durch eine Veränderung von äußeren Umständen wie Kinder werden geboren, die Frau macht Karriere, der Mann geht in Rente, da müssen Reviere neu verhandelt werden. Und jede Veränderung muss neu diskutiert werden.

Aber nicht in jedem Bereich kann man diskutieren. Wenn der Mann mehr Sex will als die Frau, kann man sie ja nicht zwingen.
Ja, da kann man schlecht bestimmen. Ist Sex verhandelbar? Eigentlich nicht. Alles andere schon. Da muss man im Einzelfall gucken. Sie können eine Entscheidung über Wichtigkeit treffen oder Einzelfalllösung, die in der Regel aufwändiger ist. Aber auch da gibt es Lösungen, zum Beispiel in den geraden Kalenderwochen entscheidet Partner A, in ungeraden Wochen Partner B.

Ansonsten sind die Paare unzufrieden.
Genau. Und da gibt es zwei menschliche Wege. Es gibt das, was man die wohlwollende Resignation nennt. Das ist das größte Geschenk einer dauerhaften Liebesbeziehung…

Echt? Das müssen Sie erklären.
Hört sich furchtbar an, gerade, wenn man jung ist. Ein Beispiel: Ein altes Paar, die Frau stöhnt über ihren Mann: „Hach, er schnarcht, er schmatzt beim Essen und der Sex ist auch nicht mehr so gut. Aber man muss ihn trotzdem lieben.“ Das heißt, sie sieht ganz genau das, was sie nicht mehr bekommt, aber sie setzt bewusst eine rosarote Brille auf. Das ist ein tolles Gefühl. Es bedeutet „Selbst, wenn du nicht bist, was ich von dir erwarte und du meine Bedürfnisse enttäuschst, ich liebe dich trotzdem“. Man sieht durchaus, was fehlt und man kämpft nicht mehr darum. Aber man liebt sich trotzdem. Das ist die wohlwollende Resignation, und das ist der größte Gewinn aus einem guten Konfliktverhalten, den Sie brauchen, damit der Tod Sie scheidet und nicht der Richter.
Gutes Konfliktmanagement und die Fähigkeiten zur wohlwollenden Resignation. Wenn Sie das nicht besitzen, entsteht etwas, das nennt sich kalte Resignation. Da herrscht dann Wortlosigkeit, Traurigkeit, jeder geht seinen Weg. Wo die Paare sich befinden, sehe ich in der Körpersprache, wenn die Paare reinkommen. Da sind wir ja deutlicher als in jedem gesprochenen Wort.

Was ist mit den Paaren, die ihre Konflikte gut lösen können?
Die Paare, die gutes Konfliktmanagement haben, sehe ich ja nicht. Die Paare kommen, wenn sie sehen, das Bild, was sie sich vom Partner gemacht haben, ist eine Illusion und sie hängen in einem Kampf fest. Die Paare, die nicht im Kampf bleiben und sich einigen, die lerne ich nicht kennen, denn die können sich alleine einigen. Das sind nicht so viele, glauben Sie mir. Die meisten Paare kennen die verschiedenen Phasen einer Beziehung mit Konflikten.

Haben Ihnen schon Paare gesagt, dass sie nach den Therapiesitzungen glücklicher waren?
Ja, das ist meistens so. Aber das ist nicht, weil ich die beste bin, sondern weil ich darauf achte, wen ich annehme. Paare, die schnell eine Lösung wollen, sind gar nicht daran interessiert, ernsthaft an ihrer Beziehung zu arbeiten. Die wollen dann eine Wunderpille, aber die gibt es bei mir nicht.

Geben Sie den Paaren auch Hausaufgaben auf?
Ja, ich habe vier Methoden. Erstens die Paarkonferenz. Ich verordne den Paaren Gesprächszeit, in denen sie sich über den Tag austauschen. Das sind dann Fragen wie „Drei Dinge, die heute für dich toll oder blöd waren und warum“. Ich zwinge die Paare dazu, gemeinsam Abend zu essen, keinen Fernseher zu benutzen und mache eine feste Zeit für die Paarkonferenz mit ihnen aus.

Jeden Tag?
Ach, das schafft doch kein Paar.

Was sind die anderen drei Methoden?
Zweitens: Ich führe als Autoritätsperson Zwangssex oder Sexverbot ein. Entweder es gibt einen festen Tag in der Woche, an dem Sex gemacht wird, egal, ob man Lust darauf hat. Die Paare sollen von dem Gedanken weg kommen, dass Sex immer spontan und toll sein muss. Eine Aufgabe könnte auch sein „Haben Sie den schlechtestmöglichen Sex“. Dann kommen die Paare wieder ins Gespräch über Sex und lachen darüber. Das nimmt die Spannung und den Druck.
Oder ich verordne Sexverbot. Dann kommt es vor, dass manche Paare trotzdem heimlich Sex haben. Auf jeden Fall ist dann der Kampf um Sex beendet. Die dritte Methode, die ich gerne anwende, ist das Drehbuch für den persönlichen Porno. Jeder soll für sich den idealen Sex aufschreiben. Dabei möglichst viele Adjektive benutzen und viel festlegen. Drinnen oder Draußen? Hell oder Dunkel? Musik oder keine Musik? Wie soll es dort riechen? Wie ist das Vorspiel? So machen sich beide Partner bewusster, was sie im Bett wollen. Ob die Partner dann ihre Pornos untereinander austauschen, bleibt ihnen überlassen. Die vierte Hausaufgabe ist, dass die Paare Strukturen schaffen sollen. Sie müssen ihre Zeit einteilen in Paarzeit, Ich-Zeit und Familien-Zeit und auch Grenzen setzen.

Glauben Sie an die ewige Liebe?
Ja, ich glaube, es gibt verschiedene Phasen der Liebe. Aber wenn man ein gutes Konfliktmanagement hat und die wohlwollende Resignation verinnerlicht hat, dann geht das. 30 Prozent sind lösbare Probleme, ansonsten ist Akzeptanz und Toleranz der Weg. Ich glaube bis heute daran, dass Menschen gut miteinander leben können und Konflikte lösbar sind.

Sie sind selbst geschieden und in einer neuen Ehe und haben Kinder. Führen Sie denn jetzt die „perfekte Beziehung“?
Nein, wenn man im System steckt, kann man nicht drauf gucken. Wir laufen in dieselben Fallen wie andere Paare auch, wir sind da keinen Deut besser. Wir Therapeuten merken dann aber hinterher, warum es schief gelaufen ist.

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Hertkorn!

*Unterschied Systemische Therapie und Psychotherapie: Während die Psychotherapie die Arbeit an der Erkrankung von Einzelpersonen ist, beschäftigt sich die Systemische Therapie mit der Arbeit bei der Erkrankung der Beziehungssysteme. Systemische Therapie verändert nicht den Menschen, sondern sucht an der Schnittstelle nach Lösungen. Es geht also eher um Kompromissfindung. Im Bereich der Sexualtherapie geht es um den Umgang mit unterschiedlichen sexuellen Bedürfnissen in Beziehungssystemen.

Aktion: 20 Fun Facts/Secrets über mich

IMG_5301_b-2

Ohren auf – hier kommen kleine Geheimnisse 😉
Foto: Corinna Schuster

Facebook ist 10 Jahre alt – das weckte in mir Erinnerungen an meine Zeit in Menlo Park/California, als ich nur 5 Autominuten von der Hauptzentrale des Social Networks entfernt wohnte. Und plötzlich musste ich grinsen. Warum? Weil ich mich an etwas erinnerte, wovon ich mir sicher bin, dass das die wenigsten über mich wissen. Und dann kam mir die Idee, spontan eine Liste zu erstellen (wer mag keine Listen? :D) mit Sachen, die wenige Leute über mich wissen und die vielleicht ganz witzig sind.
Ich erzählte meiner Kommilitonin Corinna davon und fragte sie, ob sie nicht auch Lust hätte, eine solche Liste über sich zu erstellen…vielleicht ist ja das eine oder andere überraschende dabei. Und tatsächlich – wenige Tage später hielt sie in einem Blog-Eintrag witzige Dinge aus ihrem Leben fest (unbedingt reinschauen!)

Da ich immer gern neues über andere erfahre, lade ich jeden ein, dasselbe „Spiel“ mitzumachen. Wäre doch lustig, wenn wir hier eine Lawine lostreten, oder? 🙂

Aber hier kommt erst mal ein Auszug aus meiner Liste. Ich…

…diskutierte bei „Jugend debattiert“ über Bankenrettungen und Mindestlohn und machte dabei den 3. Platz.

…machte eine 2  ½-jährige Ausbildung zur Industriekauffrau bei zwei Firmen – und beide mussten noch während der Ausbildung Insolvenz anmelden.

…verlasse (fast) immer mit nassen Haaren das Haus.

…lasse mir alle drei Wochen die Fingernägel bei Nageldesignern neu verschönern.

…trage seit 2000 jeden Tag die Erlebnisse des Tages ein.

…war Korrekturleserin, Kolumnistin, mehrfach Praktikantin und Redaktionsassistentin bei verschiedenen Medienhäusern.

…lebte an der Ostküste und an der Westküste Amerikas.

…bewarb mich erfolglos an der Axel Springer Akademie.

…esse an einem Tag so viele Süßigkeiten wie andere in einer Woche.

…habe für die Abiturprüfung in BWR einen Tag vorher angefangen zu lernen und trotzdem irgendwie 11 Punkte geschafft.

…wurde an der Ampel vor der Facebook-Zentrale in Menlo Park geblitzt – und stand deswegen vor Gericht.

…mag Filmmusik, Accousticmusik, ABBA und die Beatles.

…sehe garantiert jede noch so kleine Spinne in einem Raum (Spinnenphobie lässt grüßen).

…fuhr mit dem Auto der Mutter gegen eine Scheunenwand und musste danach am Kopf genäht werden – allerdings nicht, ohne die halbe Notaufnahme zusammen zu schreien.

…bin wohl die einzige Person auf der Welt, die in ihren zwei Jahren in Amerika abgenommen hat – und in Deutschland wieder zugenommen.

…gehe nie vor Mitternacht ins Bett.

…trage immer farblich passende Ohrringe zu meinem Outfit (und ich habe sehr viele Ohrringe!).

…verbrachte ein Silvester in Las Vegas und war vom Feuerwerk enttäuscht.

…schwamm auf Hawaii mit Haien und wanderte durch den Regenwald.

…wechselte nach der 6. Klasse vom Gymnasium auf die Realschule – wegen der Note 4 in Religion und Deutsch (und machte das Abitur später auf der BOS).

Frischgebackene Smartphone-Besitzerin: Werde ich jetzt auch gaga?

Lange habe ich mich dagegen gewehrt…und im Endeffekt doch nachgegeben. Nach monatelangem Drängen von Freunden und vor allem dem Freund habe ich es es getan: Ich habe mir ein Smartphone geholt!

DSCN1081_b

Mein neues Smartphone: Ein Samsung Galaxy S3 Mini in rot! Mehr als 200 Euro wollte ich nicht ausgeben und das Handy hat diese Bedingung gerade noch so erfüllt 😉
Foto: Sonja Nowack

Warum ich es lange NICHT wollte? Die Bilder von Jugendlichen in Bussen und Bahnen, die sich gegenübersitzen, offensichtlich kannten, aber nur über ihren Bildschirmen hingen und kaum miteinander sprachen, sagten mir vor allem eins: So will ich nicht werden! Doch nicht nur im Bus diese Horrorversion von Mensch…auch in der Uni, in Vorlesungen oder wenn andere Kommilitonen Referate halten. Wenn ich mich umblicke, sehe ich mindestens 1/3 an ihren Smartphones hängen. Unglaublich! Und das schlimmste: Es fällt ihnen schon gar nicht mehr auf.

Neulich hielt ich selbst ein Referat zum Thema „Mobilkommunikation“. Dafür machten meine Kommilitonin und ich einen Selbstversuch. Wie oft sieht jemand auf sein Handy, der Internet hat (sie) und wie oft ich, die „damals“ noch ein nicht-internetfähiges Handy hatte. Das Ergebnis: Sie über 40x am Tag, ich gerade mal 10x…

Für mich war klar: Als Online-Journalistin kann ich mich diesem „Trend“ nicht ewig entziehen. Aber wenn ich schon mitmache, dann nach meinen Regeln. Ich hatte vor allem zwei klare „Gesetze“ für mich selbst aufgestellt:

1.) Kein WhatsApp
2.) Keine Facebook-App

DSCN1084_b

Die passende Hülle für mein Schmuckstück: In das Motiv mit der Freiheitsstatue habe ich mich sofort verliebt. 🙂
Foto: Sonja Nowack

Und was soll ich sagen? Ich habe mein Smartphone jetzt seit 2 Wochen und bisher konnte ich mich gut daran halten. Wenn man diese Apps nie hatte, kann man es auch nicht vermissen.
Wer jetzt glaubt, dass ich keine Chat-App habe, der liegt falsch. Ich habe mich für Threema entschieden, die verschlüsselte – und damit viel sicherere – Variante von WhatsApp. Diese App besitzen in meinem Bekanntenkreis genau zwei Leute außer mir: mein Freund und meine beste Uni-Freundin. Das sind – neben meiner Mutter, die aber kein Smartphone hat – eh die einzigen Menschen, für die ich IMMER erreichbar sein möchte. So hart, wie es sich anhört: alle anderen können warten.

Und wie komm ich so ohne Facebook-App klar? Super! In den letzten Monaten habe ich Facebook sowieso nur noch zu 90% für Arbeit- und Uni-Absprachen benutzt (gab es tatsächlich mal eine Zeit, in der Facebook „Spaß“ gemacht hat?! Ich kann mich nicht erinnern…). Auf eine Dauerbelästigung durch Arbeit kann ich also gut und gerne verzichten.

Quizduell

Zugegeben, so sieht die Statistik meiner letzten Spiele nicht immer aus. Aber wenn – dann muss das gleich mal festgehalten werden!
Foto: Sonja Nowack

Allerdings…so gern ich mich jetzt als Sucht-Resistent darstellen würde, ganz so ist es (leider) doch nicht. Denn ich bin dafür einer anderen verfallen…QUIZDUELL! Wer kennt es nicht, das Quiz, das über sechs Runden hinweg Fragen aus Bereichen wie „Rund um die Welt“ oder „Zeugen der Zeit“ stellt – und das man sowohl gegen Freunde, als auch gegen beliebige Spieler spielen kann. Eine App mit garantierter Sucht!

Nun ist Quizduell sicherlich nicht die schlimmste Sucht, dumm wird man davon jedenfalls nicht. Trotzdem werde ich versuchen, es nicht zu übertreiben. Schließlich will ich nicht auch so werden, wie die, die ich verurteilt habe. Drückt mir die Daumen! 😉

Oh là là – ich wurde getaggt!

Wer hätte gedacht, dass es mich auch einmal treffen würde?! Wahnsinn, was für eine Ehre! 😉 Der eine oder andere fragt sich jetzt vielleicht „Was bedeutet taggen?!“

Ganz einfach: Blogger taggen sich gegenseitig, um sich besser kennenzulernen und um ihren Bekanntheitsgrad zu erhöhen. Ich – und jeder, der noch von Mit offenen Sinnen getaggt wurde – darf nun die von ihr gestellten 10 Fragen beantworten und danach selber Blogger taggen! Ehrensache, dass ich bei dieser coolen Aktion mitmache! 🙂

Hier die genauen Regeln:

  • Beantworte die 10 Fragen, die der Tagger dir gestellt hat.
  • Denke dir selbst zehn Fragen aus, die du den Bloggern, die du taggen möchtest, stellst.
  • Such dir zehn Blogs aus, die unter 200 Follower haben und tagge sie
  • Erzähle es den glücklichen Bloggern (wichtig, sonst gerät das Ganze etwas ins Stocken).
  • Zurücktaggen ist nicht erlaubt.

Und los geht´s mit den Fragen, die mir gestellt wurden:

  1. Wie bist du zum Bloggen gekommen?
    Ganz banal durch die Uni. Unsere Professoren haben uns empfohlen, uns in einem Blog auszuprobieren. Ich hab mich sofort daran gemacht, ein eigenes Blog zu erstellen und hab bis heute viel Spaß daran und es nie bereut! 🙂
  2. Was ist Dein liebstes Kleidungsstück?
    Haha, vermutlich meine graue Jogginghose. Freiheit für den Bauch! 😉
  3. Was stresst Dich?
    Menschen, die nur meckern und kein Auge für all die guten und schönen Dinge um sich herum haben. Und ich hasse Ungerechtigkeit.
  4. Wie kannst Du dich am besten entspannen?
    Beim Spazieren gehen mit meinem iPod im Ohr. Lieblingsmusik + Natur = perfekt. 🙂
  5. Welche Tipps hast du für gute Blogfotos?
    Oje, einfach ausprobieren. Nahaufnahmen, Naturfotos bei schönem Abendlicht sind immer super! 🙂
  6. Was war das schönste Geschenk, das du bekommen hast?
    Es war kein wirkliches Geschenk, aber es hat mir unglaublich viel bedeutet, als mich zwei meiner besten Freundinnen in den USA besucht haben. Es war toll, ihnen meine Welt dort zeigen zu können!
  7. Aus welchem Fehler hast du am meisten gelernt?
    Ich habe gelernt, dass es wichtige und weniger wichtige Dinge im Leben gibt und diese dementsprechend zu gewichten. Prioritäten setzen ist alles 😉
  8. Ich kann nicht leben ohne…
    … Schokolade, Liebe und Musik.
  9. Hast Du ein Haustier?
    Nein, nicht mehr. Aber ich hatte zehn Jahre lang Wellensittiche und bin mit ihnen aufgewachsen.
  10. Was ist deine liebste Jahreszeit und warum?
    Puh…früher mochte ich den Sommer am Liebsten, weil die Menschen gut gelaunt sind und man so viele coole Sachen machen kann. Mittlerweile habe ich aber auch den Frühling und den Herbst zu schätzen gelernt. Wie im Frühling die Blüten blühen und wie sich im Herbst die Blätter färben, ist einfach wunderschön. Ein Wunder der Natur!

So und nun kommen die 10 Blogs, die ich taggen möchte:

1. Timo Niemeier, Online-Journalist
2. NR Blog
3. duda-journal.blogspot.de
4. Lieb dich
5. Need To Focus
6. Koch für Mich
7. Objektivbetr8ungen
8. vorEilig
9. Photosophie
10. paulstrek

Und meine Fragen an euch sind folgende:

1. Was ist das schönste am Bloggen?
2. Was ist dein größtes Geheimnis?
3. Welches Lied hörst du gerade oder was war das letzte, was du gehört hast?
4. Wenn du einen Tag die Welt regieren könntest, was würdest du dann ändern?
5. Auf welcher Page surfst du am liebsten?
6. Was denkst du über Facebook?
7. Nenne etwas, was du mal wolltest, dich aber nicht getraut hast?
8. Wovor hast du am meisten Angst?
9. Wenn du jetzt sofort treffen könntest wen du willst…wer wäre das?
10. Auf was freust du dich als nächstes?

Ich bin mal gespannt auf eure Antworten. Danke Mit offenen Sinnen fürs taggen! Es ist cool, ein Teil von dieser Aktion zu sein! 🙂

Woran man merkt, dass es Herbst wird

Foto: Sonja Nowack

Foto: Sonja Nowack

1. Die frisch gewaschenen Haare trocknen nicht mehr auf dem 15 Minuten-Weg von zu Hause zur Arbeit.

2. Plötzlich hat man wieder Lust auf Kochen und gemütliche DVD-Abende.

3. Im Supermarkt stehen wieder Zimtsterne, Lebkuchen und co.

4. Man hat keine Lust mehr auf Schwimmbad – der Besuch in einer Therme erscheint viel reizvoller.

5. Das Handtuch, das man morgens zum Duschen benutzt hat, ist abends immer noch feucht.

6. Kuchen backen macht wieder Spaß (das anschließende Verzehren natürlich auch ;))

7. Man freut sich schon auf Halloween, die Kürbisse und allem, was dazu gehört.

8. Kinder lassen wieder Drachen steigen.

9. Das Zimmer ist so kalt, dass man selbst im Pulli und langer Hose noch immer friert.

10. Dass man ein paar Kilogramm zu viel auf den Rippen hat, ist (fast) egal – fällt unter den dicken Pullis eh kaum auf. 😉

List to be continued…

Eigentor für die taz

Foto: Sonja Nowack

So erschien gestern die taz: Viele Fragen, leere Stellen bei den Antworten von FDP-Chef Philipp Rösler.
Foto: Sonja Nowack

Tja, eigentlich wollte die taz auf das Problem mit den Autorisierungen aufmerksam machen, doch der Schuss ging nach hinten los. Die linksliberale Tageszeitung hat in ihrer Ausgabe gestern ausschließlich die Fragen des Interviews mit FDP-Chef Philipp Rösler abgedruckt, ohne die Antworten des Ministers. Grund: die Pressestelle der FDP hatte das gesamte Interview zurückgezogen. Dabei hatte Philipp Rösler in dem 50 Minuten langen Interview auf alle Fragen geantwortet, wie es im taz-Hausblog heißt. Der FDP-Sprecher begründete seinen Einspruch laut taz-Blog damit, dass Rösler sein asiatisches Äußeres im Wahlkampf nicht thematisieren wolle.
In einer Stellungnahme von Chefredakteurin Ines Pohl heißt es, neben gängigen Wahlkampfthemen wie der Steuerpolitik der Liberalen und dem Streit der Koalition zielten die Fragen auch darauf, “wie Rösler im Wahlkampf mit rassistischen Vorurteilen umgeht – etwa mit Hassmails“. Ines Pohl verteidigt das Vorgehen der taz: „Wir haben nach rassistischen Ressentiments gefragt, die auch innerhalb der FDP existieren. Das ist journalistisches Handwerk.” Es hagelte Kritik.
Dass Interviews mit Personen des öffentlichen Lebens autorisiert werden, ist zwar nicht gesetzlich vorgeschrieben, in Deutschland aber journalistische Praxis, um Fehler beim Verschriftlichen gesprochener Sprache zu vermeiden. Der zunehmende Autorisierungswahn von Pressestellen ist in den letzten Jahren immer wieder ein Thema in der deutschen Journalismusbranche. Das Problem, wenn sich ein Journalist der Autorisierung widersetzt: Er wird nie wieder mit dem Interviewten ein Gespräch kriegen. Journalisten und “VIPs” sind in gewisser Weise voneinander abhängig. Im Ausland hingegen, vor allem im englischsprachigen Raum, ist die Autorisierung eher unüblich.

Die taz ist nicht das erste Medium, das sich gegen Autorisierungen zur Wehr setzt und die Praktiken der Pressestellen öffentlich macht. Die Nachrichtenredaktion der Zeitungsgruppe Lahn-Dill, deren Internetauftritt „mittelhessen.de“ ist, hat ein Interview mit der Grünen-Fraktionschefin Renate Künast nicht veröffentlicht, nachdem deren Partei laut mittelhessen.de „massive Eingriffe in den Text“ vornahm.
Die taz veröffentlichte ihre Fragen an Rösler auch im Hausblog. Ein Beispiel: „Herr Rösler, wann haben Sie bewusst wahrgenommen, dass Sie anders aussehen als die meisten Kinder in Deutschland?“ Im taz-Blog fallen die Kommentare der Leser überwiegend negativ für die taz aus. Da ist von „befremdlichen Fragen“ und einem „despektierlich geführten Interview“ die Rede.
Auch auf Twitter ist ein Shitstorm ausgebrochen. Unter #tazfragen machen sich viele Twitterer darüber lustig und posten eigene unangemessene Fragen. Ein Twitterer schreibt beispielsweise: „Was die #taz Philipp Rösler noch hätte fragen sollen: ‚Sind Sie als Chinese wegen der Farbe Gelb zur FDP gekommen?‘“ Doch es werden nicht nur imaginäre Fragen an Rösler gestellt, auch andere Spitzenpolitiker bleiben von indiskreten Fragen nicht verschont. Ein User witzelt: „Frau Göring-Eckardt, sind Sie aufgrund der Frauenquote Spitzenkandidatin der Grünen?“ Die Chefredakteurin Ines Pohl wird ebenfalls in Tweets angefeindet, zum Beispiel: „Frau Pohl, wie ist das, wenn man täglich an Tageszeitungen vorbeilaufen muss, die von echten JournalistInnen geschrieben werden?“
Eins ist sicher: Die taz wollte mit ihrer Aktion auf die leidige Autorisierungspraxis aufmerksam machen, stattdessen ist die taz nun selbst zur Zielscheibe geworden. Eine Diskussion über Sinnhaftig- und Sinnlosigkeit von Autorisierungen hat die taz jedenfalls nicht ausgelöst.

Ein Hauch von Romantik auf Google

Dass sich Google immer wieder einen neuen Hingucker – ein sogenanntes Doodle – auf seiner Startseite einfallen lässt, ist bekannt. Mit dem Video zu Ehren des Komponisten Claude Debussy hat sich das Unternehmen aus Kalifornien allerdings selbst übertroffen. Anlass war der 151. Geburtstag des französischen Komponisten, der als Mitbegründer des Impressionismus gilt. Klickte der User am 22. August auf die Startseite von Google, so erschien ein über zwei Minuten langes Video zu Debussys „Clair de Lune“, das die Melancholie in der Melodie durch eine Nachtszenerie mit wechselnden „Protagonisten“ und einem romantischen Höhepunkt untermalt.
Google Doodles haben nichts mit dem kostenlos im Internet verfügbaren Werkzeug zum Erstellen von Terminumfragen zu tun, sondern der Begriff bedeutet auf Deutsch so viel wie „Gekritzel“. Das erste Doodle erschien 1998, und mittlerweile gibt es bei Google sogar einen „Chef-Doodler“. Bis Mitte Mai 2013 wurden laut Wikipedia 1689 Google Doodles erstellt, das erste Video gab es im Oktober 2010 zum Geburtstag von John Lennon.
Wer das Google Doodle zu Ehren von Claude Debussy verpasst hat, kann es bei Youtube ansehen:

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=fs2nOLg1EN8&w=420&h=315]